Warum sollte ich überhaupt bloggen?

Im Mittelpunkt unserer Netzkirche-Fortbildung 2014 steht ja das Thema „Blogs und Bloggen“. Aus der Runde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kam gestern auch die ganz prinzipielle Frage auf: Warum sollte ich überhaupt bloggen? Ich will versuchen, aus meiner persönlichen Sicht darauf zu antworten:

1. Lesen!
Zunächst einmal sollten Sie Blogs lesen. Ein bisschen googlen, ein wenig in Blogverzeichnissen stöbern, auch auf Twitter oder Facebook nachfragen, welche guten Blogs andere kennen – und natürlich sich von Blog zu Blog weiterführen lassen, über die Links zu anderen Blogs in einzelnen Blogartikeln oder über die „Blogroll“, die Liste persönlicher Lieblingsblogs, die viele Blogger als einen Menüpunkt eingebaut haben. Sie werden dann bemerken: Es findet sich für nahezu jedes Interesse etwas. Und Sie bekommen so einen persönlichen Einblick in die Szene und eventuell auch Lust darauf, selbst zu bloggen.

2. Vielfältige Anwendungsbereiche
Wenn Sie bereit sind, sich auf Onlinekommunikation einzulassen, dann ist ein Blog ein mächtiges und flexibles Instrument, das verschiedensten Zwecken dienen kann und sich entsprechend anpassen lässt, z.B.:

  • für die öffentliche Reflexion der eigenen Arbeit mit Feedback-Möglichkeit
  • als persönlicher Zettelkasten
  • als theologische Denkfabrik – öffentliches Nachdenken: öffentliche Theologie
  • als Predigten/Andachtenarchiv (Service!)
  • für die Berichterstattung von Veranstaltungen in der Kirchengemeinde
  • um zum Dialog über die Gemeindearbeit anzuregen: Welche Gottesdienstzeiten fänden Ihre Gemeindeglieder günstig? Wie schätzen sie die Jugendarbeit ein? Gibt es Ideen, Anregungen, Wünsche?
  • auch mal nur für Alltagsbeobachtungen, Begegnungen
  • für Literaturempfehlungen u. Ä.: Was liest/hört/sieht der/die Pfarrer/in?
  • für die Beschäftigung mit einem Lieblingsthema / Special Interest / Hobby
  • oder gar für literarisch-theologische Experimente (vgl. die Anregungen in: Porombka, „Schreiben unter Strom“, Duden 2011)

Den eigentlichen Reiz macht dabei immer das Persönliche aus. Das heißt nicht Privates, sondern die persönliche (Welt-)Sicht: Wie tickt der Pfarrer, die Pfarrerin, der Diakon, die Presbyterin? Was beschäftigt ihn oder sie?

3. Das persönliche Archiv
Ein Blog wird zu Ihrer persönlichen Inhaltezentrale, ein wesentlich durch Sie selbst gestaltetes und befülltes Onlinearchiv von Themen, Ideen, Gedanken, die Sie beschäftigt und mit denen Sie sich reflektierend auseinandergesetzt haben und über die Sie gerne auch mit anderen ins Gespräch kommen wollen.

4. Technische Vorzüge
Ein Blog hat dazu einige technische Vorteile gegenüber dem alleinigen Posten von Inhalten in den Sozialen Netzen:

  • Sie haben eine größere Kontrolle über Ihre eigenen Inhalte
  • Sie verfügen über bessere Such- und Archivfunktionalität
  • Sie haben bessere Verlinkungs- und Strukturierungsmöglichkeiten
  • Blogs haben eine niedrige Zugangsschwelle: Sie bilden keinen „walled garden“, sind allgemein öffentlich
  • Ihre Leserinnen und Leser können freier entscheiden, auf welchem Weg sie die Inhalte verfolgen (RSS-Feed, E-Mail-Abo, Twitter, Facebook etc.)
  • Die Blog-Inhalte lassen sich leicht anderswo einbinden (z.B. auf der Gemeinde-Homepage oder in anderen Blogs)
  • Blogs sind sogar als einfacher Ersatz für ein Content Management System nutzbar, z.B. für Gemeinde-News
  • Es besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Bloggern auf derselben Plattform zu vernetzen

5. Spaß!
Und zu guter Letzt: Sie reihen sich, wenn Sie bloggen, je länger je mehr in die illustre Schar von Menschen ein, die ebenfalls bloggen – und mit denen es einfach Spaß macht zu kommunizieren und gegenseitig voneinander zu lernen.

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9 Gedanken zu „Warum sollte ich überhaupt bloggen?

  1. Weiter zum Obigen: Finde Gebloggtes meist entweder arg langweilig oder zu gewollt hochtrabend und gekünstelt-angeberisch. Zeitungsartikel sprechen mich meistens an – Blogger sehr selten. Was sagen da Fachleute: Gibt es das, dass Gebloggtes manchen nicht liegt?

    • Angesichts der enormen Vielfalt von Blogs und damit auch unterschiedlicher Schreibstile, inhaltlicher Qualität und formaler Gestaltung fällt mir eine Erklärung schwer. Vielleicht haben Sie einfach noch nicht die „richtigen“ Blogs für sich gefunden? Eine Gemeinsamkeit, die zumindest viele „Personal Blogs“ teilen, ist, dass viele Beiträge aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Könnte das der Grund sein, warum sie Ihnen nicht „liegen“ – dass sie eben die Subjektivität zum Prinzip haben?
      Im Zweifelsfall gibt es ja auch viele bloggende Journalisten … fangen Sie erst mal mit denen an 😉

      • Nö, „subjektiv“ liebe ich sehr!!!
        Alles andere aus dieser Antwort habe ich gelöscht, um niemandem wehzutun 😉

  2. Für mich ist der dritte Aspekt sehr wichtig, die eigenen Gedanken geordnet festzuhalten. Dazu bekommt man oft auch hilfreiches Feedback, was hilft die eigenen Gedanken zu präzisieren. Vielen Dank für den schönen Beitrag!

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